FELSENBURG VRANOV (PANTHEON)
Wir begrüßen Sie auf Vranov
- unserer größten Felsenburg. Mit der Vorburg hat sie eine
Länge von fast 400 m und wird heute als die längste und
komplizierteste Felsenburg in Böhmen betrachtet.
Beschreibung der Burg
Das lange, schmale und steile Sandsteinkliff wurde Anfang
des 15. Jahrhunderts im höchst möglichen Maße als natürliche
Festung genutzt und auf seinem höchsten Felsenturm wurde
ein hölzerner Wachtturm errichtet, der nur über schmale
und steile in den Felsen gehauene Stufen zu erreichen ist.
Im ganzen Burgareal wurde eine große Zahl von Räumen und
Kellern aus dem weichen Sandsteinfelsen herausgehauen. Holzbalken
wurden überall dort verwandt, wo die Festung ergänzt, Felsenspalten
überbrückt oder oberirdische Konstruktionen eingebaut werden
mussten, wovon eine große Zahl von Balkenfalzen im Felsen
zeugt. Manche Bauten waren aber auch aus Mauerwerk, wie
vor allem die Reste des viereckigen Wohnobjektes beweisen,
das wahrscheinlich eine Art Wohnturm war. Das ganze außerordentlich
lange Areal war in einen Kern und in eine Vorburg unterteilt,
welche wesentlich größer war als heute zu erkennen ist.
Ein großes Problem war die Versorgung dieses Kolosses mit
Wasser. Bis heute hat sich der Brunnen erhalten, der jetzt
außerhalb des Burgareals liegt. Vranov diente im 16. Jahrhundert
als Wachtburg und verfiel später allmählich. Anfang des
19. Jahrhunderts verwandelte ein romantischer Umbau ihren
mittelalterlichen Charakter.
Vranov als mittelalterliche
Festung
Die Burg wurde um das Jahr 1425 von Henning von Waldstein
als eine der letzten Burgen in diesem Gebiet erbaut. Vranov
blieb über das ganze 15. Jahrhundert im Besitz der Waldsteiner,
ohne aber irgendwie wesentlich in die Hussitenkriege einzugreifen
oder in die Kämpfe unter Jiøí z Podìbrad (Georg von Podìbrad),
auch wenn z.B. ihr Besitzer Šastný von Waldstein (im Gegensatz
zu vielen seiner katholischen Nachbarn) fest an der Seite
von König Jiøí stand und darum mit ihnen bestimmt viele
Schwierigkeiten hatte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war
es Jindøich von Waldstein, Herr auf Vranov, der die Burg
dann im Jahre 1538 an die Wartemberger verkaufte. Der Vranover
Besitz war damals ziemlich weitläufig. Zu ihm gehörten von
Turnov (Turnau) bis Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße)
über 50 Dörfer, ein Teil von Turnov (Turnau) und das heutige
Železný Brod (Eisenbrod). Unter Jan von Wartemberg begann
aber für Vranov, das man schon damals Skály oder Wartemberger
Skály nannte (um es von Hrubá Skála (Groß-Skal) zu unterscheiden)
die Zeit des definitiven Niedergangs. Schon um das Jahr
1500 entstand im Tal unter der Burg als Zentrum der Vranover
Herrschaft eine bequeme Festung, an deren Stelle unter den
ersten Wartembergern das einfache Schloss Malá Skála (Kleinskal)
trat. Die Obrigkeit hörte auf, sich um die Burg Vranov zu
kümmern und überließ sie ihrem Schicksal. Im Jahre 1615
kaufte Albrecht Jan Smiøický von Smiøice die Vranover Herrschaft
und nach der Schlacht am Weißen Berg erwarb sie dann Albrecht
von Waldstein als konfiszierten Besitz. Dieser aber verlieh
die Vranover Herrschaft Mikuláš Desfours auf Hrubý Rohozec
(Groß-Rohosetz) als Lehen und dessen Nachkommen hielten
die verfallene Burg bis zum Jahre 1802.
Das Pantheon und Zacharias
Baron von Römisch
Damals kaufte die Herrschaft Malá Skála (Kleinskal), zu
der das verfallene Vranov gehörte, der Textilunternehmer
Zacharias Baron von Römisch aus dem nordböhmischen Mikulašovice
(Nixdorf). Baron von Römisch erwarb durch Handel ein bedeutendes
Vermögen und später auch einen Adelstitel. Er veranlasste
den Umbau des Kleinskaler Schlosses und änderte auch wesentlich
das Erscheinungsbild der Burg. Geleitet von den Ideen der
beginnenden Romantik, entschied er sich, aus Vranov ein
Pantheon zu machen - eine Ruhmeshalle für berühmte Persönlichkeiten
der damaligen Zeit (der Name Pantheon verweist auf die griechische
Mythologie und setzt sich aus den griechischen Wörtern "pan"
jedweder und "theós" - Gott) zusammen. In den
Ruinen der Burg (aber auch im nahen Wald) ließ er romantische
Denkmäler und Grabhügel errichten, die bedeutende Schriftsteller
und Dichter, legendäre Helden, tschechische Herrscher und
Heerführer besangen. Ihre Auswahl entsprach von Römischs
Vorstellungen und Maßstäben und in ihr spiegelt sich der
Zeitgeist der damaligen Romantik und vor allem ein bemerkenswerter
böhmischer Landespatriotismus. In einem der Säle wird so
an Namen und Ereignisse aus den Kämpfen gegen Napoleon erinnert,
anderenorts trifft der Besucher auf Namen aus den tschechischen
Geschichtssagen wie Libuše (Libusche), Záboj, Horymír oder
auf Namen wie Pøemysl Otakar II., Václav II. und den seiner
Gattin Guta, Karl IV., Jiøí z Podìbrad (Georg von Podìbrad).
Aber Platz war hier auch für Shakespeare, Goethe, Cervantes,
Rabelais und eine Reihe anderer, unter ihnen auch einige
Personen von einfacherer Herkunft, die nach Meinung von
Römischs verdienten, wegen ihres Heldentums oder ihrer Verdienste
im Pantheon, wie man seit dieser Zeit die Burg Vranov zu
nennen begann, aufgenommen zu werden. Es dauerte mehr als
20 Jahre, bevor von Römischs Ziel erreicht wurde und noch
durch die Errichtung eines Belvedere in Form einer Kapelle
im Geiste der romantischen Gotik (im Jahre 1826) gekrönt
werden konnte. Das Interieur des Belvedere und auch das
Pantheon selbst begannen aber nach von Römischs Tod zu verfallen,
denn seine Nachkommen hatten für die Romantikbegeisterung
ihres idealistischen Vorfahren wenig Verständnis und widmeten
Vranov weder genügend Aufmerksamkeit, noch finanzielle Mittel.
Viel von dem, was das frühere Pantheon darstellte, unterlag
so dem Verfall oder wurde auch zerstört. Vranov - das Pantheon
bleibt trotzdem eine beachtenswerte Synthese aus den Ruinen
einer mittelalterlichen Burg und der geistigen Welt der
europäischen Romantik des 19. Jahrhunderts.
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